• 1. März 2004
  • Ausgabe 14/2005
  • von Bastian Hallbauer u. a.

Klöster in Nordelbien – Folge 1:
Bordesholm – Die Mönche vom See

Bordesholm – Eigentlich sollte Bordesholm einmal Neumünster heißen – novum monasterium – wie das Kloster, das um 1330 von Neumünster nach Bordesholm verlegt wurde. Die eigentliche Geschichte des Augustiner Chorherrenstiftes beginnt aber bereits 200 Jahre früher.

KLOSTER1.JPGIm Jahre 1127 wurde das Kloster vom Heiligen Vicelin gegründet: sein Leben widmete der spätere Bischof der Bekehrung der ansässigen heidnischen Stämme zum Christentum. Trotz vieler Zerstörungen und Rückschläge verfolgte er sein Ziel weiter und starb 1154 – noch vor der Fertigstellung des Neumünsteraner Klosters.

1332 wurden seine angeblich wunderkräftigen Gebeine in das neue Kloster in Bordesholm überführt und näherten sich vielleicht auf dem gleichen Weg wie der heutige Besucher dem eindrucksvollen Backsteinbau der Klosterkirche. Hoch auf der bewaldeten Klosterinsel gelegen, lässt sie noch heute erahnen, welchen Einfluss der Chorherrenstift einst ausübte.

Der See vor der Tür und die weiten angrenzenden Wäldern sicherten die Versorgung der Mönchsgemeinschaft gleich in zweierlei Hinsicht: Holz für den Bau der Klosteranlage und des sich am Kloster entwickelnden Ortes Bordesholm gab es zur Genüge. Und für das leibliche Wohl sorgte – vor allem während der Fastenzeit – Fisch aus dem See.

Von den Klostergebäuden auf der mittlerweile verlandeten Insel ist nur noch die Stiftskirche in der Gestalt von 1510 erhalten geblieben. Sehr schlicht in gotischem Stil gehalten, mit einem kleinen Glockenturm auf dem Giebeldach, lädt das breite Hauptportal zum Besuch ein.
Der Blick fällt sofort auf den mächtigen, reich verzierten Steinsarkopharg im Mittelgang. Erst danach schweift das Auge durch den dreischiffigen Raum und gleitet über das kunstvoll geschnitzte, noch aus dem 15. Jahrhundert erhaltene Chorgestühl. Zwischen hohen Glasfenstern thront der spätbarocke Altar mit seinen überlebensgroßen Evangelistenfiguren.

Der Hauptaltar, gestiftet durch Herzog Carl-Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf, kann als Wiedergutmachung für den Verlust des berühmten Brüggemann-Altars im Jahre 1666 verstanden werden. Dieser zwölf Meter hohe und sieben Meter breite Flügelaltar mit geschnitzten, hölzernen Figuren hat in ganz Nordeuropa keine Parallele. Er ist heute in Schleswig zu bewundern.

1566 wurde das Kloster im Zuge der Reformation aufgelöst – die Mönche flohen aus bisher ungeklärten Gründen nach Holland. Die leerstehenden Gebäude wurden seitdem für eine fürstliche Gelehrtenschule genutzt. Hier wurde die geistige Elite des Landes ausgebildet, bis die Schule 1665 in der von Herzog Christian Albrecht neugegründeten Kieler Universität aufging. Damit ihrer Verwendung und finanziellen Grundlage beraubt, wurden die Klostergebäude abgerissen. Bei der Erkundung des alten Klosterbezirks stößt der Besucher aber immer wieder auf archäologisch freigelegte Überreste des Augustiner Chorherrenstiftes. Südlich der Kirche, unter dem heute als Altenheim genutzten Amthaus, befindet sich das Klostergewölbe. Mittelalterliche Funde, seltene Buchdrucke und Mönchskutten warten hier auf die Besichtigung. Auch wechselnde Ausstellungen zur Geschichte Bordesholms und des Klosters werden präsentiert und bieten interessante archäologische Funde aus den Sammlungen der Landesmuseen. Die großangelegten Ausgrabungen ab Ende der 80er Jahre brachten auch Überreste eines mittlerweile restaurierten Geheimganges zu Tage – sein einstiger Zweck bleibt bis heute ungeklärt.

Die 650 Jahre alte Linde – das Wahrzeichen Bordesholms – ist der letzte, aber stumme Zeuge, der die vielen Geheimnisse aufklären könnte. Vielleicht weiß sie sogar, wo sich die verschollenen Gebeine des Heiligen Vicelin befinden? Ihr Standplatz, der zum Verweilen einladende Lindenplatz vor der Kirche, lockt regelmäßig mit bunten Märkten. Vor allem die jährlichen Linden- und Adventsmärkte füllen den Platz mit regem Leben: vielerlei Kunsthandwerker, Schmiede und Waffelbäcker sind zu sehen und bieten natürlich auch die Gelegenheit, sich mit netten Kleinigkeiten zu versorgen. Auch das Schleswig-Holstein Musik Festival macht regelmäßig Station in Bordesholm. Die Klosterkirche bietet für Konzerte ein ausgesprochen schönes und stimmungsvolles Ambiente.