• 1. März 2004
  • Ausgabe 16/2005
  • von Matthias Herman u. a.

Klöster in Nordelbien – Folge 3:
Von Rittern, Nonnen und Prinzessinen

Itzehoe – Beim Betreten des Klosterhofs des mittelalterlichen Zisterzienserinnenklosters findet man sich ein wenig in der Zeit zurück versetzt. Uralte Bäume und Fachwerkbauten blicken auf den Teich in der Mitte des Hofes.

KLOSTER3.JPGWill man aber als Besucher Itzehoes an den eigentlichen Ursprungsort des Marienklosters gelangen, so muss ein strammer Fußmarsch entlang der Stör bis an die Elbe eingeplant werden. Denn tatsächlich wurde das heute mitten in der Stadt liegende Kloster um 1230 rund 15 km südlich von Itzehoe bei Ivenfleth direkt an der Elbe gegründet. Wenige Jahre nach der Gründung wurde es aber auf Bitten der Zisterzienserinnen verlegt – das Wasser hatte sich von den Klostermauern nicht aufhalten lassen und mehrfach die ganze Anlage überschwemmt. Abgeschlossen war der Umzug spätestens 1256, dem Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung. In den folgenden Jahrhunderten wuchs der Besitz des Klosters dann stetig an. Dank seiner ausgedehnten Ländereien wurde es bis zum 16. Jahrhundert zu einer der wichtigsten Herrschaften in Schleswig-Holstein.

Eine Zäsur in der Entwicklung bedeutete allerdings die Reformation, deren Auswirkungen 1526 auch Itzehoe erreichten. Wenige Jahre danach wurde das Zisterzienserinnenkloster in ein Damenstift umgewandelt und der Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft unterstellt. Interessanterweise hat sich die Zahl der Konventualinnen seit dieser Zeit, wenn auch auf einem niedrigen Niveau, bis ins 20 Jahrhundert kaum verändert.
Von der Reformation nicht berührt wurden hingegen die Gebäude an sich. Das schaffte dann der große Stadtbrand von Itzehoe 1657. Von der damals vierflügligen Anlage blieb als Bauwerk nur noch der Kreuzgang erhalten. Adolf IV. von Schauenburg, Gründer des Klosters, hatte aber auch einen gräflichen Herrengarten anlegen lassen, er ist bis heute als Klosterhof erhalten.

Umgeben wird dieser Hof von mehreren malerischen Häusern. Hauptgebäude ist das 1696 erbaute Äbtissinnenhaus, der Amtssitz der Äbtissin. Im Inneren befindet sich der mit reichem Rokokostuck ausgestaltete Konventsaal, den die Konventualinnen noch heute als Festsaal nutzen.

Wenige Schritte vom Äbtissinnenhaus entfernt steht das Verbitterhaus, der Amtssitz des Verbitters. Der Verbitter war der Sprecher der schleswig-holsteinischen Ritterschaft und oberste Rechts- und Verwaltungsinstanz des Klosters.

Zur Anlage des Klosters gehört auch der Prinzesshof. Das 1556 vom Kloster erbaute Gebäude wurde als Adelssitz verlehnt. Von 1810 bis 1971 war der Prinzesshof dann der Wohnsitz der Äbtissinnen, die aber nicht weniger adlig waren. Unter den Bewohnerinnen waren Prinzessin Juliane von Hessen, Prinzessin Luise und Prinzessin Marie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glückstadt. Ihnen verdankt das Gebäude seinen heutigen Namen.

Hinter diesen Klostergebäuden ragt das Wahrzeichen der Stadt Itzehoe auf: der Turm der St. Laurentii-Kirche. Nachdem die alte gotische Kirche von 1196 ebenfalls im großen Stadtbrand komplett vernichtet wurde, errichtete man 1716 einen barocken Neubau. Den markanten und bekannten „Zwiebelturm“ erhielt die Kirche allerdings erst mit der Renovierung 1894-96.

Im Inneren der Kirche kann heute über der Äbtissinnenempore die berühmte Orgel aus der Werkstatt Arp Schnitgers von 1720 besichtigt werden. Dessen Witwe hatte nach seinem Tod die Fertigstellung seinem Meistergesellen überantwortet.

Neben einem Abstecher in die Laurentius-Kirche, sollte man bei einem Itzehoebesuch aber auch ein paar Stunden auf dem Prinzesshof verbringen. Das Gebäude beherbergt heute das Museum des Kreises Steinburg, in dessen Ausstellungen besonders auf die wechselvolle Geschichte Schleswig-Holsteins und Steinburgs im dänischen Gesamtstaat eingegangen wird. Ergänzt wird das Angebot des Museums durch Lesungen, Vorträge und Sonderausstellungen.