• 1. März 2004
  • Ausgabe 17/2005
  • von Dirk Petter u. a.

Klöster in Nordelbien – Folge 4:
Von der Kutte in die Rüstung

Kiel – Fragt man Einheimische nach dem Kieler Kloster, so trifft man häufig auf ratlose Gesichter. Dabei hat bestimmt jeder schon einen Blick auf den erhaltenen Backsteinturm der Klosterkirche geworfen.

KIELERKL.JPGSollten Sie also an einem schönen Tag einmal durch die Kieler Fußgängerzone Holstenstraße entlang der Cafés und Geschäfte gen Norden schlendern, so werden Sie schließlich am Alten Markt ankommen und vor der Nikolaikirche stehen. Von hier aus ist es dann nicht mehr weit zum Kieler Kloster, welches am Nordende des Platzes gegenüber dem Postamt und der Polizeistation Falckstraße liegt.

Heute ist das Klostergebäude beim ersten Anblick kleiner als erwartet, vor dem Zweiten Weltkrieg jedoch erstreckte sich die Anlage bis zum Kleinen Kiel. Die Geschichte der frommen Stiftung geht auf die Zeit des Stadtgründers, Graf Adolf IV. von Schauenburg, zurück. Somit fallen die Entstehung der Stadt Kiel und des Klosters in dieselbe Zeit. Als Besucher des heutigen Klosters kann man daher mit Recht behaupten, einen der ersten bebauten Plätze der Stadt zu besichtigen.

Im frühen 13.Jahrhundert machte sich der Graf daran sein Territorium auszubauen, das er erst in der Schlacht von Bornhöved 1227 gegen die Ansprüche des dänischen Königs Waldemar II. verteidigt hatte. Der Sage nach erflehte er die Hilfe der heiligen Maria Magdalena und gelobte, im Falle eines Sieges, Mönch zu werden. Sogleich soll die Heilige mit ihrem Schleier die Sonne, welche die Holsteiner geblendet hatte, verdunkelt und somit dem Heer zum Sieg verholfen haben. Wie versprochen wies Graf Adolf IV. danach dem noch jungen Franziskanerorden einen Platz am Markt der neu gegründeten Stadt Kiel zu. Nachdem das Kloster errichtet und seine Nachfolge geregelt war, trat er 1235 als frater Adolphus den Bettelmönchen bei und lebte bis zu seinem Tod 1261 nach den Regeln der Armut. Noch heute ist im erhaltenen Kreuzgang eine Grabplatte zu sehen, welche zwar von einer späteren Umbettung der gräflichen Gebeine stammt, aber trotzdem ein bedeutsames Zeugnis der Kieler Stadtgeschichte darstellt.

Als Kloster diente das Gebäude bis 1530. Im Zuge der Reformation löste man die katholische Gemeinschaft auf. In den folgenden 135 Jahren diente das Kloster als Stadtschule und später als Heiligengeist-Hospital zur Pflege von Alten und Kranken. Ab 1665 führte Herzog Christian Albrecht das Ordenshaus einer neuen Bestimmung zu und gründete hier die Kieler Universität. Knappe hundert Jahre später zog die Universität um und man nutzte lediglich die Klosterkirche weiter, die um den noch sichtbaren Turm erweitert wurde.

Heute befinden sich öffentlich zugängliche Ausstellungsräume im Erdgeschoß und Studentenwohnungen im Obergeschoß des Backsteinbaus. Die Räume sind nicht regelmäßig geöffnet, sondern können von Besuchern je nach angekündigter Veranstaltung betreten werden. Neben den Arbeiten zeitgenössischer Künstler locken Konzerte auf dem Glockenspiel im Turm, einem Carillon.

Im Erdgeschoß befinden sich zwei rechteckige Räume. Der erste ist ein Teil des historischen Kreuzgangs, welcher circa 15 Meter lang und drei Meter breit ist. Am Ende des Raumes befindet sich auf der rechten Seite eine Durchgangstür in das ehemalige Refektorium, also dem Speisesaal des Klosters. Dieser ist von den Ausmaßen ähnlich dem Kreuzgang. Beide Räume haben noch das alte Kreuzrippengewölbe als Deckenform, welches in schlichter weißer Farbe gehalten ist.

Wenn man wieder nach draußen tritt in den schön anzuschauenden Garten, findet man klostertypische Kräuter und Pflanzen. Hier wird zukünftig ein dreiteiliges Kunstwerk stehen, das an den Stadtgründer Adolf IV. erinnern soll. Es zeigt den Schauenburger wie er der Rüstung entsteigt und dabei die Mönchskutte überzieht. So soll der Graf selbst dafür sorgen, dass Kiels vergessenes Kloster und seine Geschichte den Menschen wieder näher gebracht wird.