• 1. März 2004
  • Ausgabe 18/2005
  • von Eike Beall u. a.

Klöster in Nordelbien – Folge 5 :
Maria-Magdalena sei gepriesen

Lübeck – Wo sonst als in der Lübecker Altstadt, die zum Weltkulturerbe gehört, sollte das bedeutendste mittelalterliche Kloster Norddeutschlands wohl stehen?

KLOSTER5.JPGEs heißt offiziell „Maria-Magdalenen-Kloster“ und wurde als Symbol der Freiheit errichtet. Am 22.Juli 1227, dem Tag der Heiligen Maria-Magdalena, errangen die Lübecker Bürger bei Bornhöved den Sieg über die dänische Herrschaft. Aus Dankbarkeit stifteten sie das Kloster. Als Zeichen ihrer Selbständigkeit errichteten sie es an der Stelle, wo die Lübecker vorher die Burg des Dänischen Königs abgerissen hatten! Um das Jahr 1232 war das Dominikanerkloster fertig, doch bereits 1276 zerstörte der Lübecker Stadtbrand es fast vollständig. Die bis heute erhaltenen Bauteile des Burgklosters stammen also im Wesentlichen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Die frühere Gesamtanlage kann als Modell betrachtet werden.

Auf den ältesten erhaltenen Mosaiken im Kloster sind speisende Mönche abgebildet. Gut erhalten sind vor allem der Kreuzgang, der Kapitelsaal und das Hospital. Dort mussten die Kranken selbst im Winter nicht frieren: Im Boden ist ein sogenanntes Hypokaustum zu bewundern. Eine Art Fußbodenheizung erhitzte mit Holzziegeln den Boden.

1319 wurde eine dreischiffige Basilika eingeweiht. An die 40 Bildwerke und Altäre, Stiftungen reicher Lübecker, sollen die Kirche geschmückt haben. Heute kann man diese noch im Sankt-Annen-Museum bewundern. Denn die Kirche musste im Jahre 1818 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Heute ist nur noch die Nordwand mit den drei Nischenkapellen erhalten. Das Kloster selbst verlor im Zuge der Reformation seine eigentliche Bestimmung. 1531 wandelte man es in ein Armenhaus um.

An der Stelle der Kirche entstand 1870 ein Schulgebäude, und das angrenzende Beichthaus wurde in eine Turnhalle umgewandelt. Außerdem wurden das Wirtschaftsgebäude, das Pförtnerhaus und das Brauhaus abgerissen. Auf dem Areal wurde ab 1893 ein neugotisches Gerichtsgebäude gebaut, zu dem das alte Kloster dann ebenfalls gehörte. Das Untergeschoss wurde als Archiv verwendet, und blieb nahezu unversehrt. Im Obergeschoss dagegen wurden die ehemaligen Zellen der Mönche in einen Zellentrakt des Untersuchungsgefängnisses umgewandelt.

In der NS-Zeit war das Kloster durch die Inhaftierung von Juden und Widerstandskämpfern Schauplatz nationalsozialistischen Unrechts. Vor allem der sogenannte Christenprozess, der 1943 mit dem Tod von vier Geistlichen endete, sorgte für viel Aufsehen. Nach dem Auszug des Gerichtes 1962 wurde die Klosteranlage von 1972 bis 1990 restauriert.

Heute werden die Räume des ehemaligen Klosters als Kulturforum für Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt. Hier wird zum einen die Geschichte der Stadt und des Klosters vermittelt, zum anderen wird moderne Kultur in Vorträgen, Kolloquien, Lesungen und Konzerten dargeboten. Eine der beiden Dauerausstellungen präsentiert den großen Münzschatz, der 1984 in der Lübecker Innenstadt gefunden wurde. Die Ausstellung erzählt von der Entwicklung des Münzwesens über fast 1000 Jahre, und über den lübschen Handel mit der ganzen Welt. Im Obergeschoss befindet sich eine Dokumentation jüdischen Lebens in Lübeck und die Kellergewölbe können für Festgesellschaften gemietet werden.

Das Burgkloster ruht sich nicht darauf aus, ein faszinierender Schauplatz der deutschen Geschichte zu sein: Es ist auch heute noch ein Mittelpunkt des kulturellen Lebens!