• 1. März 2004
  • Ausgabe 19/2005
  • von Niklas Hill u. a.

Klöster in Nordelbien – Folge 6:
Lügumkloster – der Ort Gottes

Lügumkloster – Wer heute nach Lügumkloster auf einer schleswig-holsteinischen Landkarte sucht, wird nicht fündig werden. Seit der Volksabstimmung von 1920 gehört Lügumkloster zu Dänemark und ist unter dem dänischen Namen Løgumkloster auf den Landkarten verzeichnet. Lügumkloster gehört zum Amtsbezirk Vestsønderjylland und liegt einige Kilometer nördlich der nordfriesischen Grenze.

KLOSTER6.JPGDas Kloster in Lügum wurde 1173 von den Zisterziensermönchen gegründet. Der Orden ging im 11. Jahrhundert im Zuge einer Reformbewegung aus dem Benediktinerorden hervor. Die Mönche wählten die ländliche Lage mit vielen Wasserläufen und großen Wäldern ganz bewußt. Hier konnten sie vorteilhaft Landwirtschaft, Fischerei und Müllerei betreiben. Wahrhaft ein Geschenk Gottes und so nannten sie den Ort: Locus Dei, Ort Gottes.

Lügum ist eines der elf Zisterzienserklöster, die im 12. Jahrhundert in Dänemark entstanden. Die Zisterzienser wollten die Regeln des Benedikt von Nursia praktisch umsetzen. Der Leitsatz „ora et labora“, bete und arbeite, sollte wieder an erster Stelle stehen. Noch heute lassen sich die strengen Klosterregeln und Gebetszeiten auf mehrsprachigen Tafeln in Lögumkloster nachlesen. So waren die Mönche während der Arbeitszeit zum Schweigen verpflichtet und durften nur bei den gemeinsamen Mahlzeiten essen und trinken. Das Leben der Zisterziensermönche war streng reglementiert, dies spiegelte sich auch im Grundriss ihrer Klöster, die sich fast wie „ein Ei dem anderen“ gleichen.

Leider ist im Kloster Lügum nicht alles erhalten geblieben. Charakteristisch sind die vier Flügel und der große Innenhof mit Kreuzgang. Der Nordflügel des Klosters diente als Kirche, im Ostflügel waren der Schlafsaal und der Kapitelsaal, im Südflügel der Speisesaal und die Küche untergebracht. Im Westflügel wohnten die Laienbrüder.

Die Sanitäranlagen der Mönche waren allerdings ausgeklügelt: Um die Abwässer abzuleiten, wurde ein Bach aufgestaut und in einem begehbaren Tunnel unter dem Kloster durchgeleitet. Bis ins 20. Jahrhundert hinein hielten sich daher Gerüchte, es habe im Kloster Geheimgänge gegeben. Zudem gab es im Kloster ein erstaunlich modernes Heizungssystem: Die Mönche entfachten unterirdisch ein Feuer, die heiße Luft strömte durch Kanäle in den darüberliegenden Mönchssaal.

Im Jahr 1536 wurde in den Herzogtümern Schleswig und Holstein die Reformation eingeführt. Das Kloster in Lügum wurde zwölf Jahre später mit dem Tod des letzten Abtes aufgelöst und zum Gutsbetrieb. Die Klosterkirche ist seit 1739 die evangelische Gemeindekirche von Lügumkloster. In der Kapelle hängen Gedenktafeln für die Toten des ersten Weltkrieges aus dem Ort Lügumkloster, das bis zur Volksabstimmung 1920 zum Deutschen Reich gehörte. Obwohl Dänen und Deutsche für den selben Kaiser starben, sind sie auf der Tafel getrennt aufgeführt. Während die Deutschgesinnten laut Inschrift „für Heimat und Vaterland“ starben, trugen die Dänischgesinnten „die schwere Bürde der Pflicht bis in den Tod.“