• 5. Juli 2006
  • Ausgabe 27/2006
  • von Sven Kriszio

Nordelbien lernt das Beten neu

Aumühle – Einen Blick in die Schatztruhe christlicher Gebete konnten die Besucher des Ansverus-Hauses in Aumühle werfen. Einen Tag lang verwandelte sich die Backsteinvilla am Sachsenwald zu einem schillernden „Psalmen-Haus“, das neue Begegnungen mit alten Gebeten ermöglichte.

Für viele Besucher neu und faszinierend: Einen Psalm unter erfahrener Anleitung zu singen. „Ich habe hier viele Anregungen für den Gottesdienst gefunden“, so Chorsängerin Maike Gebhardt. Auch Joachim Krüger sieht die Bereicherung: „Ob solche Formen der Spiritualität nun um sich greifen, kann ich nicht beurteilen“, so der ehemalige Pas-tor. „Ein bisschen mehr davon könnte unseren Gemeinden sicher gut tun.“

Die Psalmen sind Thomas Schukai seit seiner Jugend vertraut: „Ich bete selber gerne mit den Psalmen. Sie haben eine sehr direkte Sprache, die Mitten aus dem Leben kommt“, so der Krankenpfleger. Auch Nina Malsch, die ihre Gebete meistens frei formuliert, sieht in den Psalmen „einen neuen Zugang“ zum Beten. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Das „Psalmen-Haus“ bot Workshops zur Bilderwelt der Psalmen, zeigte ein Mysterienspiel zu König David und lud zu jeder vollen Stunde zum „Cantus“ ein.

„Wir möchten das Ansverus-Haus gerne als Gebetshaus und Gebetsschule für Nordelbien vorstellen“, betonte Pas-torin Kirstin Faupel-Drevs. „Hier sollen Menschen beten lernen, geistlich begleitet werden und gemeinsam leben“, so die Spiritualin weiter. Es gebe großes Interesse an Gebeten und Formen des Betens, aber auch große Sehnsucht nach Stille. „Die Psalmen bieten sich als Grundlage an, weil sie die ganze Lebenswirklichkeit beinhalten.“ Das stille, kontemplative Wiederholen des Jesusnamens oder das Beten mit Gebärden oder Gesang seien weitere Formen, so Faupel-Drevs „Uns liegt an der Verbindung von neuen und alten Traditionen, wo jeder für sich eine Form finden kann.“

Seit vergangenem Jahr beherbergt das Ansverus-Haus eine Hausgemeinschaft, vier junge Menschen, die hier Einkehr suchen und sich das „Psalmen-Haus“ ausgedacht haben. „Für uns sind die Psalmen sehr wichtig. Wir beten sie täglich“, sagt Yotin Tiewtrakul. „Durch die wiederkehrende Verinnerlichung können sie einem richtig ans Herz wachsen“, bestätigt auch Andrea Zwicknagel. Die Gemeinschaft folgt einem festen täglichen Rhythmus aus Meditationen und Gebeten.

Als sehr lebendig hat Benediktinermönch Bruder Elija vom Kloster Nütschau den Tag in Aumühle und die Suche nach neuen Gebetsformen erlebt. „Ich glaube, dass die Menschen vor allem mehr Sinnlichkeit wollen.“ Der Weg führt über die Neuentdeckung alter christlicher Traditionen. „Ich finde gut, wie selbstsicher das Ansverus-Haus mit Spiritualität umgeht“, merkte Pastor John-David Yule an.

Informationen unter Telefon: 04104/970625.