• 14. Mai 2008
  • Ausgabe 20/2008
  • von Carsten Splitt

Stilettos auf Kopfsteinpflaster

Meldorf– 14 Uhr in Meldorf. Pünktlich mit dem Schlagen der Domuhr entsteigt eine junge Frau in hautengen Jeans und leuchtendem Top einem dunkelblauen Golf-Diesel. Trotz hoher Stilettos bewegt sie sich sicher über das unregelmäßige Kopfsteinpflaster des Marktplatzes. Kurze Zeit später steht sie auch schon auf dem Randstein der ehemaligen Viehtränke und posiert wie selbstverständlich vor einer klickenden Kamera. Fiona Erdmann ist zurück.

Nach Fernseh-Casting und „Playboy“-Titel hat sie nur noch selten Gelegenheit, die Stadt zu besuchen, in der sie aufgewachsen ist. „Ich bin gern in Meldorf“, versichert das Model, das binnen weniger Monate schaffte, wovon tausende Teenies träumen: sich selbst auf einem Cover im Zeitschriftenregal entdecken zu können.
Früher habe sie sich häufig aus Dithmarschen weggesehnt, gibt die bei „Germany’s Next Top Model“ als „Zicke“ verschriene 19-Jährige unumwunden zu. Langweilig sei es dort gewesen. Nichts los. So gar nicht die Wunschwelt einer Heranwachsenden. Schon mit elf Jahren träumte Fiona von einer Karriere als Model, machte erste Schritte auf den Laufstegen; auch wenn die damals noch quer durch das Möbelhaus Rommel verliefen oder sie allenfalls nach Eddelak führten.

Heute wohnt Fiona im turbulenten Berlin und ist auf den Catwalks der Welt unterwegs. Bei Heidi Klums Casting-Show gelang ihr auch ohne Sieg der Durchbruch. Seitdem eilt sie von Laufsteg zu Laufsteg, absolviert ein Fotoshooting nach dem anderen. Dass sie es jüngst auf den Titel vom bekanntesten Männermagazin Deutschlands schaffte, markiert den vorläufigen Höhepunkt ihrer Model-Karriere. „Es ist schön zurückzukommen“, sagt Fiona, um die sich auf dem Meldorfer Marktplatz mittlerweile eine Menschentraube gebildet hat. „Das ist meine Heimat“. Was sie früher als langweilig erlebt habe, empfinde sie heute als entspannend und wohltuend.
Selbst den Dom, den sie als Kind eher beiläufig „bei Gottesdienstgängen mit Oma“ wahrgenommen hat, sieht sie heute mit anderen Augen. „Ich bin dort konfirmiert worden.“ Kirche und Religion habe mehr denn je eine Bedeutung für sie. „Es ist gut, einen Glauben zu haben und zu wissen, dass da oben jemand ist, der auf einen aufpasst“, sagt Fiona. Dass sie diesen vor wichtigen Termine auch gelegentlich anruft, gibt sie bereitwillig zu. „Beten kann Kraft geben“.

Als kurz darauf ein junges Mädchen direkt auf Fiona zustürzt, breitet sie spontan ihre Arme aus. Luisa Maria wohnte früher im Haus gegenüber und war beim letzten Treffen „noch viel viel kleiner“, versichert das Model, das für Luisa Maria früher gelegentlich „Babysitter“ spielen durfte. Bei Gleichaltrigen seien die Reaktionen auf sie heute allerdings nicht immer ganz so unvoreingenommen wie in Luisa Marias Altergruppe. „Was will die den noch hier, jetzt wo sie berühmt ist“, bekomme sie hin und wieder zu hören. Der überwiegende Teil der Jugendlichen freue sich aber mit ihr: „Wie cool, die hat’s geschafft.“

Dass ihr „Höhenflug“ allerdings auch schnell wieder beendet sein könnte, hat die Wahl-Berlinerin jedoch nicht aus dem Blick verloren. „Unsere Branche ist kurzlebig. Da kann sich alles schnell wieder ändern“. Sie bemühe sich aber, stets das Positive zu sehen. „Ich habe hart gearbeitet, um viel zu erreichen. Jetzt will ich alles ausschöpfen.“ Und wenn die Jobs dann irgendwann ausblieben, würde sie damit auch zurecht kommen, ist sich Fiona sicher. „Man muss immer einen Plan B parat haben“. In ihrem Fall würde der sie vermutlich an den Schreibtisch einer Werbeagentur führen, vermutet die ausgebildete Gestaltungstechnische Assistentin.

„Abgehoben“ habe sie jedenfalls nicht. „Ich habe immer noch denselben Freund wie vor vier Jahren, mache meine Buchhaltung selbst, und kümmere mich persönlich um meine Autogrammkarten.“ Lediglich erwachsener sei sie geworden, in den vergangenen Monaten, „sonst nichts“. Sprach’s und verschwindet wieder in ihrem ersten selbstverdienten PKW-Diesel. Fiona aus Meldorf ist eben auch in Berlin Meldorferin geblieben. Aber morgen fliegt sie erst mal nach Ibiza – zum Fotoshooting.