• 17. September 2008
  • Ausgabe 38/2008
  • von Katja Launer

Würde des Raumes wahren

Lübeck – Am vergangenen Sonntag wurde die Kücknitzer St. Michael-Kirche, Bei den Tannen 1, offiziell entwidmet. Propst Kurt Puls hielt gemeinsam mit Pröpstin Petra Kallies und den Gemeindepastoren Rainer Fincke, Dagmar Posner-Noack und Lutz Thiele den Gottesdienst. Anschließend stiegen die Gemeindeglieder in einen Bus und fuhren mit den heiligen Geräten (Kreuz, Bibel, Abendmahlskelche und Taufschale) zur St. Paulus-Kapelle Dänischburg. Dort endete der Gottesdienst mit einem Abendmahl.

Derzeit wird über eine Nachnutzung von St. Michael verhandelt, es gibt verschiedene Kaufinteressenten. Kirche und Gemeindezentrum sollen für 90 000 Euro veräußert werden, das Gelände von etwa 2000 Quadratmeter steht auf einem Erbpachtgrundstück der Stadt Lübeck. Vor dem Kauf muss der Gemeinde ein Nutzungskonzept für die Kirche vorgelegt werden, damit sichergestellt ist, dass die Würde des Raumes gewahrt wird.

Zentrum des kirchlichen Lebens der Kirchengemeinde Kücknitz wird St. Johannes werden, wo zurzeit unter der Arbeitsüberschrift „Treffpunkt-Kirche“ im Gebäude der ehemaligen Post ein neues Gemeindezentrum entsteht.

Für Gottesdienstbesucher, die den Weg in eine der drei verbleibenden Kirchen nicht bewältigen können, wird ein Bus­shuttle eingerichtet. Durch eine großzügige Spende der Christiansen Stiftung konnte ein Gemeindekleinbus gekauft werden, der die Besucher bei Bedarf abholt. Interessenten können den Fahrdienst im Gemeindebüro unter der Telefonnummer 0451 / 301282 bestellen.

Die St. Michael-Gemeinde wurde am 8. März 1950 aus den Gebieten von Rangenberg, Wallberg, Siems, Herreninsel und Dänischburg gebildet. Das neue Siedlungsgebiet war zuvor von der St. Johannes-Gemeinde in Kücknitz betreut worden, die hierfür im April 1948 eine zweite Pfarrstelle eingerichtet hatte. 1951 begann dann hinter der Herrenbrücke der Bau eines eigenen Sakralraumes: Bischof Johannes Pautke legte am 20. Mai 1951 den Grundstein für eine Kirche mit Gemeindezentrum, das nach Plänen von Bruno Fendrich und Hugo Horn vom Kirchenbauamt in Trautsch-Bauweise entstand. Mit Trautsch-Bauweise bezeichnet man eine Spitzbogen-Konstruktion, bei der die Zwischenräume mit Schlackenbetonblöcken aufgefüllt werden. Es entstand eine Halle mit dem Querschnitt eines Schiffsrumpfes, deren Stirn- und Rückwand konventionell aufgemauert wurden.

Ein Relief an der Front zeigt den Erzengel Michael, den Namenspatron. An dessen Gedenktag, dem 29. September, wurde die Kirche 1951 eingeweiht. Da die Kirche keinen Glockenturm hat, wurden die beiden Glocken von außen sichtbar über dem Vordergiebel aufgehängt.

Der kleine Windfang-Anbau am Eingang der Kirche wurde 1965 hinzugefügt. Der Innenraum ist schlicht gehalten, einziger Schmuck an der Altarstirnwand über dem Altarkreuz ist ein Buntglasfenster eines Münchener Künstlers, das die vier Evangelisten mit ihren jeweiligen Symbolen zeigt. An der Westseite der Empore steht heute eine zwei-manualige Orgel der Familie Paschen (Kiel), die 1981 eingebaut wurde.

Das Gemeindehaus hatte 1951 Form und Ausmaße eines Siedlungshauses. Hier waren Pastorenwohnung, Amtszimmer und ein Gemeinderaum untergebracht. Durch das Anwachsen der Arbeit war bald ein Erweiterungsbau notwendig, der im Advent 1959 in Betrieb genommen werden konnte. Im Februar 1964 wurde in St. Michael wiederum Einweihung gefeiert, und zwar für den vom Architekt H.-G. Berndt gestalteten Kindergarten, der später in den neunziger Jahren wesentlich erweitert und umgestaltet wurde. Anfang 1998 fusionierten die Gemeinden St. Johannes, Dreifaltigkeit und St. Michael zusammen mit St. Paulus zur Kirchengemeinde Kücknitz. Der Kirchenvorstand der Gesamtgemeinde hat 2007 die Schließung der St. Michael Kirche und den damit verbundenen Verkauf der Kirche mit dem dazu gehörigen Gemeindezentrum beschlossen. Im Juli 2008 wurde St. Michael unter Denkmalschutz gestellt.